Zum Thema:     

Nochmal Leben?

Es geht ums Sterben. Und das trifft uns alle - irgendwann. Ob wir es wahr haben wollen oder nicht.
Beschäftigen mag sich niemand gern damit. Schließlich geht es ums Ende, um das unabweisliche Ende.

Warum eine solche Ausstellung?

Sterben tut weh. Und Abschied tut weh. Warum also nicht lieber früh damit umgehen lernen? Mag sein, dass im Angesicht der Toten und der Lebenden der Tod an Schrecken verliert. Vielleicht lernen wir an Todesthemen das Leben zu schätzen. Vielleicht beginnen wir zu begreifen, dass endloses Haben und rastloses Konsumieren noch lange kein Leben sind.
Was aber ist der tiefere Sinn unseres Daseins dann?

Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Das sind Grundfragen, die sich in Philosophie und Religion stellen. Angesichts der Porträts, die Tod und Leben spiegeln, werden diese Fragen unausweichlich. Wir begleiten Sie mit unserem Programm, wenn Sie sich diesen Fragen stellen wollen.
Ob es endgültige Antworten angesichts des Todes gibt? Antwortversuche gibt es, und vor allem das tröstliche Miteinander, das uns Trauer ertragen hilft.

Einladung

Denken wir miteinander über Fragen und Antwortversuche nach. Auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Akzent. Aus der Sicht des christlichen Glaubens, aus der Perspektive anderer Religionen, aus kultureller Sicht, unter dem Vorzeichen der Wissenschaften.

Wir laden Sie herzlich ein. Wir wünschen Ihnen, dass die Begegnung mit der Ausstellung und die Gespräche in den Veranstaltungen Sie mehr verstehen lassen von dem, was Tod heißt und was zugleich Mahnung ist zu leben. Jetzt.
 

 
     
Zur Ausstellung:     

Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta baten unheilbar Kranke, sie in ihren letzten Tagen und Wochen begleiten zu dürfen. Aus diesen Begegnungen entstanden einfühlsame Porträts von Menschen, die ihrem Tod sehr nahe sind. Die Ausstellung zeigt 1x1 Meter große Schwarz-Weiß-Fotografien, die kurze Zeit vor und unmittelbar nach dem Tod der Porträtierten entstanden. Sie berichten von den Erfahrungen, Ängsten und Hoffnungen der Sterbenden und lassen sie in den Texten von Beate Lakotta noch ein Mal zu Wort kommen.

Walter Schels und Beate Lakotta arbeiteten über ein Jahr (2003 & 2004) für diese Ausstellung in der dichten, auf das Wesentliche konzentrierten Atmosphäre der Hospize.
Die meisten der vierundzwanzig Porträtierten haben ihre letzte Zeit in einem Hospiz in Deutschland verbracht. Hospize sind Lebensorte für Sterbende. Sie bieten schwerkranken und sterbenden Menschen die Möglichkeit, ihr Lebensende so schmerzfrei und bewusst wie möglich zu verbringen. Wer hier einzieht weiß, dass er nicht in seine Wohnung zurückkehren wird. Man weiß, dass man Abschied nehmen muss und dass man nicht mehr viel Zeit hat, die persönlichen Dinge zu regeln. Nur eine kurze Spanne bleibt, um Bilanz zu ziehen, Frieden mit sich und anderen zu machen, sich mit dem Tod zu befassen und mit der Frage nach dem Danach. Und doch ist hier kaum ein Mensch ohne Hoffnung: auf einige Tage mehr, auf ein gutes Ende oder darauf, dass der Tod nicht das Ende von allem sein möge.
Alle Porträtierten waren mit der Veröffentlichung einverstanden.


Walter Schels Beate Lacotta

Walter Schels
geboren 1936 in Landshut, arbeitete als Schaufensterdekorateur in Barcelona, Kanada und Genf. 1966 ging er nach New York, um Fotograf zu werden.
1970 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete erfolgreich für Illustrierte, Modemagazine und Werbung. Ab 1975 fotografierte Schels über viele Jahre für die Zeitschrift "Eltern" Reportagen über Geburten. Seit er die wenige Augenblicke alten Kinder porträtierte, hat ihn die Beschäftigung mit Gesichtern nicht losgelassen.
Bekannt wurde Walter Schels mit seinen Charakterstudien von Künstlern und Politikern, von Prominenten der Kultur- und Geisteswelt, aber auch mit seinen Tieraufnahmen.
Mitglied der Freien Akademie der Künste, Hamburg
Ehrenmitglied des Bundes Freier Fotodesigner (BFF)
Hasselblad Master 2005
Buchveröffentlichungen und Ausstellungen im In- und Ausland.

Beate Lakotta
geboren 1965 in Kassel, studierte Germanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg. Seit 1999 ist sie Redakteurin im Wissenschaftsressort des "Spiegel" und veröffentlichte dort zahlreiche Reportagen aus verschiedenen Bereichen der Medizin. Schwerpunkte: Ethik, Neurowissenschaften, Psychologie.
Auszeichnungen für "Noch mal leben"
Hansel-Mieth-Preis für engagierte Reportagen
Ehrenpreis für Künstler der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz
Deutscher Sozialpreis
World Press Photo
Lead Award
Art Directors Club
Deutscher Fotobuchpreis